Stratigraphie: Geologische Zeitrechnung

Geologie ist eine historische Wissenschaft; allein wegen der enormen Dimensionen kommt dem Faktor Zeit eine ganz besondere Rolle zu. Die zeitliche Abfolge der Gesteine und deren räumliche Beziehungen, die Stratigraphie, ist ein Grundpfeiler der geologischen Arbeit. Wesentlich ist nicht nur die Kenntnis der absoluten Zahlen, sondern die Lagerung der Gesteine zueinander und eine klare Abgrenzung von definierbaren Einheiten. Die Grundlage dafür stellt auf nationaler Ebene die „Stratigraphische Tabelle von Österreich“ dar.

Ausschnitt der Stratigraphische Tabelle von Österreich (sedimentäre Schichtfolgen)
Ausschnitt aus: Stratigraphische Tabelle von Österreich 2004 (sedimentäre Schichtfolgen)
© Österreichische Stratigraphische Kommission und Kommission für die paläontologische und stratigraphische Erforschung Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Faktum ist: Jede Gesteinseinheit spiegelt geologische Prozesse wider und entspricht einem bestimmten Zeitintervall. Wenn es um die Gliederung der Gesteine geht, so führen – je nach Gestein – viele Wege zum Ziel.

Auschnitt aus dem mittleren Teil des Steinkerns eines Ammoniten (in gelb, braun und grau gehalten). Die gedrehten Schalen erinnern an ein Schneckenhaus. Es entsteht der Eindruck, als wären Pflanzen oder Algen auf dem Stein.
Ammoniten eignen sich gut für die stratigraphische Gliederung des Mesozoikums.
© Geologische Bundesanstalt / Andreas Ortag

Im Sinne der Lithostratigraphie erfolgt die Differenzierung und Gliederung verschiedener Gesteinseinheiten nach ihren lithologischen Eigenschaften, die meist auch im Gelände beobachtbar sind. Gibt es Fossilien, in erster Linie winzige Mikroorganismen, die auf Grund ihrer Evolution eine genauere relative Zeitgliederung erlauben, spricht man von Biostratigraphie. Die Chronostratigraphie wiederum beschäftigt sich mit der relativen Zeitgliederung aller Gesteinskörper der Lithosphäre. Zusätzlich zu diesen drei klassischen Eckpfeilern der Stratigraphie gibt es heute eine Vielzahl stratigraphischer Methoden. Zu nennen sind die Magnetostratigraphie, die Sequenz- und Seismostratigraphie, die Isotopenstratigraphie und die Zyklostratigraphie, die sich auch in der Erdölindustrie als sehr nützlich erwiesen haben.

Die Sprache der Stratigraphie

Sprach man früher vielfach von „Schichten“, verwendet man heute den Begriff „Formation“. Die Formation ist die Grundeinheit in der lithostratigraphischen Hierarchie, sie muss eine an der Erdoberfläche kartierbare und zumindest im Maßstab 1:0.000 darstellbare bzw. im Untergrund verfolgbare Gesteinseinheit sein. Die Grenzen lithostratigraphischer Einheiten werden einzig und allein durch einen deutlichen Wechsel in der Lithologie definiert. In einem Typus-Profil sollte die lithologische Einheit vollständig mit ihrer Liegend (= Unter)- und Hangend (= Ober)grenze erfasst und aufgeschlossen sein. Die Grundeinheit in der Chronostratigraphie ist die „Stufe“, die sowohl globale als auch regionale Gültigkeit haben kann. Definiert wird eine chronostratigraphische Einheit durch ihre Basis, die in einem Grenzstratotypen-Profil mit einem Grenzstratotypen-Punkt festgelegt wird.

Aus österreichischer Sicht stellt die „Stratigraphische Tabelle von Österreich 2004 (sedimentäre Schichtfolgen)“ mit ihrer umfassenden Darstellung quer über alle tektonischen Einheiten eine Richtlinie dar, die auch den aktuellen Stand der stratigraphischen Forschung in Österreich wiedergibt. Die Tabelle stellt eine Kooperationsarbeit universitärer und außeruniversitärer Institutionen unter Führung der Österreichischen Stratigraphischen Kommission und der Kommission für die paläontologische und stratigraphische Erforschung Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) dar.

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