Geologie und Weinviertel

Rebsorte, Jahrgang und Herkunft spielen in der österreichischen Weinwirtschaft traditionell eine wichtige Rolle. In einem kleinen, aber vielfältigen Land wie Österreich bietet die Vielzahl terroirgeprägter Weine eine große Chance für Weinbau und Weinliebhaber. Der französische Begriff „Terroir“ fasst die jeweiligen Rahmenbedingungen der Weinerzeugung, wie Boden, Relief, Klima, Rebsorte, Kellerwirtschaft und Geschick des Winzers, zur Charakteristik unverwechselbarer Identitäten zusammen. Dabei rückt der Gesteinsuntergrund als Ausgangsmaterial für den Boden, als Nährstofflieferant und als Wasserspeicher immer mehr ins Blickfeld.

Geologische Übersichtskarte des Weinbaugebietes Weinviertel
Geologische Übersichtskarte des Weinbaugebietes Weinviertel
© Geologische Bundesanstalt

Fundierte Aussagen über die Funktionalität des Gesteinsuntergrundes im Weinbau erlauben aber nur detaillierte geologische Kartierungen und Analysen, die neben den erdgeschichtlichen Aspekten auch die Zusammenhänge mit den Faktoren Boden, Wasserhaushalt, Gelände und Klima berücksichtigen.

Im Vordergrund stehen link und recht Weinstöcke mit grünen Blättern. Im Hintergrund befindet sich ein sandig aussehender Graben mit leichter Begünung.
Löss, eine eiszeitliche Staubablagerung, ist das „Leitgestein“ des Weinviertels.
© Geologische Bundesanstalt

Derartige Standortuntersuchungen unterstützen die Winzer in ihrer Erfahrung zur besten Nutzung der heimischen Weingartenflächen, in der Unterlags und Sortenwahl und Anpassung der Pflegemaßnahmen. Ein weiterer Aspekt liegt in der Schaffung fundierten Wissens zur Stärkung der Kommunikation mit den Kunden und des internationalen Marketings. Deshalb ist es auch für die Geologenschaft ein wichtiger Schritt, ihre Kenntnisse in verständliche Worte und Bilder zu fassen. Das Weinviertel im Nordosten Österreichs beherbergt das größte Weinbaugebiet (16.650 ha) des Landes.

Geschmackvolle Weinviertel-Geologie

Die Gesteine des Weinviertels haben eine große Variationsbreite. Die größte Verbreitung hat Löss. Dieser eiszeitliche Staub zeichnet sich durch hohe Porosität, gute Speicherkapazität und einen hohen Anteil an natürlichen Nährstoffen aus. Viele der Weinviertler Reben wurzeln direkt in dem charakteristisch gelben Sediment. Die zahlreichen Weinkeller und Hohlwege im Löss tragen darüber hinaus zur Identität der Kulturlandschaft des Raumes bei und machen ihn zum geologischen „Leitgestein“ des Weinviertels. So bietet das Weinviertel eine Reihe von Möglichkeiten zu kosten, wie sich die verschiedenen Gesteine auf geschmackliche Nuancen der Weine einer Rebsorte, z.B. dem Grünen Veltliner, auswirken. Und die Zukunft lässt noch mehr erwarten, denn die geologische Erforschung der Weinregionen Kamptal, Wagram und Burgenland wurde schon in Angriff genommen.

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