Baurohstoffe in Österreich

Die Gruppe der Baurohstoffe umfasst eine Reihe von Fest- und Lockergesteinen, die wegen ihrer physikalisch-technischen Eigenschaften in der Bauwirtschaft im Hoch-, Tief- und Verkehrswegebau verwendet werden. Im Vergleich zu anderen Rohstoffen hat ihre Bedeutung in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen: Mit einer jährlichen Gesamtproduktion von etwa 110 Millionen Tonnen sind sie mengenmäßig bei weitem die bedeutendste Gruppe der festen mineralischen Rohstoffe in Österreich. Ihre Gewinnung erfolgt zumeist in obertägigen Abbaustellen und spiegelt eine regionale Nutzungsstruktur wider.

Karte der Baurohstoffe in Österreich mit punktueller Darstellung von Kiesen, Sanden und Festgestein
Baurohstoffe in Österreich
© Geologische Bundesanstalt

Zahlreiche Gesteinsarten der Sedimente, der metamorphen Gesteine und der magmatischen Plutonite und Vulkanite sind als Baurohstoffe nutzbar. Im Hinblick auf ihre Erscheinungsform und den Einsatzbereich werden die Baurohstoffe in Kies und Sand, in Tone für keramische Produkte und die Festgesteine in Natursteine für Brecherprodukte und Bruchsteine, in Naturwerksteine sowie in Zement- und Kalkrohstoffe unterteilt

Wiener Kopfsteinpflaster - zu einem Teil in Bögen verlegt. An den freien Stellen liegt Schotter und Pflastersteinehaufen.
Die Granitwürfel des Wiener Kopfsteinpflasters stammen aus der Böhmischen Masse.
© Geologische Bundesanstalt / Andreas Ortag

Nutzbare Festgesteine sind im Bereich der Böhmischen Masse vor allem die Granite, Ganggesteine, Gneise, Granulite und Marmore. In der Helvetischen Zone Vorarlbergs liegen Vorkommen wertvoller Kieselkalke, in der Flyschzone werden Zementrohstoffe abgebaut und in den Kalkalpen überwiegt die Nutzung der Kalksteine und Dolomite. In der Grauwackenzone sind Diabase, Quarzite und Karbonatgesteine hervorzuheben und in den zentralen Abschnitten der Alpen werden nahezu alle Arten von metamorphen Gesteinen genutzt, soferne sie fest genug sind. Im Steirischen Becken werden Basalte zu Brecherprodukten verarbeitet.

Qualitativ hochwertige sandige Kiese liegen vorwiegend in den quartären Terrassen der Donau und der Schmelzwasserzuflüsse im Alpenvorland und am Alpenostrand. Auch in den ehemals vergletscherten Regionen sind mächtige Kies-Sandlagerstätten zu finden, die im Allgemeinen jedoch stärkere Aufbereitungsmaßnahmen verlangen. Stellenweise werden auch Hangschuttvorkommen in den Gebirgsregionen und postglaziale bis rezente Kiessande entlang der Bäche und Flüsse in allen geologischen Einheiten genutzt.

Umfangreiches Archiv zu über 10.000 Abbaustellen

An der Geologischen Bundesanstalt bildet die Erkundung und Untersuchung von Baurohstoffvorkommen einen Schwerpunkt. Grundlage dafür ist die Sammlung (analog und in digitalen Datenbanken) rohstoffbezogener Informationen zu über 10.000 Abbaustellen (aktiv oder außer Betrieb). Dadurch können rohstoffspezifische Aussagen in Kombination mit den flächenhaften Ergebnissen der geologischen Kartierungen und mit den lithologischen Klassifizierungen der einzelnen geologischen Einheiten getroffen werden.