Untergrund im Vorfeld der Alpen

Rund um die östlichen Ostalpen, von Salzburg über Linz, St. Pölten, Wien, Eisenstadt bis Graz spannt sich ein Set von Themenkarten im Maßstab 1:200.000, das den Bereich der jungen Beckenlandschaften abdeckt. Sie haben die Themen Magnetik, Gravimetrie, Geologie des Beckenuntergrundes und Struktur des Beckenuntergrundes zum Inhalt. Diese Kombination eröffnet neue Perspektiven, z.B. bei der Suche nach Erdöl, Erdgas, Tiefengrundwässern und geothermisch nutzbaren Bereichen.

Ausschnitt aus der Karte des präneogenen Untergrundes des Wiener Beckens
Ausschnitt aus: Wessely, G. et al (1993).: Wiener Becken: Geologische Einheiten des präneogenen Beckenuntergrundes (1:200.000).
© Geologische Bundesanstalt

Die Themenkarten zur Geologie des Beckenuntergrundes und seiner Struktur stützen sich auf die Ergebnisse zahlreicher Tiefbohrungen und seismischer Untersuchungen, die von der Kohlenwasserstoff-Industrie in Österreich über viele Jahrzehnte hinweg durchgeführt wurden. Die magnetischen Karten zeigen die Isanomalen der Totalintensität und beruhen auf einer aeromagnetischen, also luftgestützten Vermessung des Bundesgebietes. Hingegen erfolgte die Datensammlung für die Schwerekarten (Gravimetrie) in mehreren unabhängigen und aufwändigen Geländekampagnen am Boden. Auf den Karten dargestellt sind die Isanomalen der Bouguerschwere.

Magnetische und gravimetrische Anomalien erlauben verschiedene Aussagen über den Bau der Erdkruste und die in der Tiefe vorhandenen Gesteine. So zeigt z.B. die deutliche Zunahme der Bouguerschwere vom Alpenvorland in Richtung Süden die Verdickung der Erdkruste im Bereich des Gebirgskörpers an.

Geologisch „junge“ Beckenlandschaften

Gestängetiefpume in Form einer Pferdekopfpumpe. Im Hintergrund blauer Himmel mit Federwolken und Felder.
Durch eine Vielzahl von Erdöl- und Erdgasbohrungen wurde der Untergrund des Wiener Beckens bis in große Tiefen geologisch erforscht.
© Geologische Bundesanstalt

Die Molassezone (sie entspricht geographisch weitgehend dem Alpenvorland), das Wiener und das Steirische Becken sind, geologisch betrachtet, „junge“ Becken. Ihre sedimentäre Füllung, überwiegend Sande und Tone, besteht aus Abtragungsprodukten des Alpenkörpers und der Böhmischen Masse. In diesen Sedimenten, aber auch in den Gesteinen, die den Beckenuntergrund aufbauen, lagern die österreichischen Erdöl- und Erdgasvorräte.

Die Strukturkarten vom Untergrund der Beckenlandschaften zeigen z.T. ein ausgeprägtes Relief. In der Südoststeiermark und dem südlichsten Burgenland etwa reicht die Südburgenländische Schwelle stellenweise bis an die Oberfläche. Zusätzlich prägen große Brüche (z.B. die Thermenlinie oder der Steinberg-Bruch im Wiener Becken) mit einem vertikalen Versatz von bis zu 6.000 m das Untergrundrelief. Für die Bildung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten spielen diese Brüche eine wesentliche Rolle, und entsprechend wichtig ist daher ihre genaue Kenntnis für die Lagerstättensuche.