Rocky
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Eigenständig und doch verwandt

Nach Süden überschobene Decken von Adria

Berglandschaft
Im Valentintal der Karnischen Alpen (K) sind in der Kellerwand (2774 m) helle, gefaltete Kalkbänke des Devons aufgeschlossen. © Hans Peter Schönlaub
Berglandschaft
Der Auernigg (1863 m) beim Nassfeld (K) besteht aus einer Wechselfolge von Schiefern, Sandsteinen und Konglomeraten des Karbons. © Hans Peter Schönlaub
Gestein
Längsschnitte von Orthoceren, ausgestorbene Verwandte heutiger Tintenfische, in silurischen Kalken des Rauchkofels (K) (Bildbreite: 24 cm). © Kathleen Histon
Gestein
Gesteinsdünnschliff eines permischen Kalkes mit Fusulinen (Foraminiferen) aus den Karnischen Alpen (K) (mikroskopische Aufnahme; Größe 2,5 cm). © Karl Krainer
Gestein
Fossilreicher Schuttkalk aus großen Brachiopoden vom Karbon der Auernig-Formation am Naßfeld (K) (Bildbreite: 11 cm). © Alice Schumacher

Das Südalpin beinhaltet wie das Ostalpin einen kompletten Querschnitt durch die kontinentale Kruste. Im östlichen Teil des Südalpins und somit auch in Teilen der Karawanken und Karnischen Alpen in Österreich finden sich Sedimente aus dem Mesozoikum und Paläozoikum. Im Westen in Italien und in der Schweiz sind hingegen auch Gneise und Amphibolite der tieferen Kruste und sogar die obersten Anteile des Erdmantels der Adriatischen Platte zugänglich. Die großen Ähnlichkeiten zwischen Südalpin und Ostalpin sind verständlich, wenn man weiß, dass beide Einheiten vor der Bildung der Alpen eine Einheit gebildet haben. Daher waren die Gesteine des Südalpins nach der Öffnung des Penninischen Ozeans am Nordrand von Afrika beheimatet und lagen ab der Kreide am Nordrand von Adria. Ab dem späten Paläogen wurden die Decken des Südalpins nach Süden auf die Adriatische Platte aufgeschoben.

Insbesondere die Karnischen Alpen haben aufgrund ihrer fossilreichen paläozoischen Gesteinsabfolgen weltweite Bekanntheit erlangt. So ist es an vielen Stellen, z. B. in der Cellon-Rinne nahe dem Plöckenpass (Kärnten), möglich, den über 200 Millionen Jahre langen Zeitabschnitt vom Ordovizium bis zum Ende des Perm mit Fossilien fast lückenlos zu studieren. Die generelle Abfolge der Gesteine ähnelt jener im Ostalpin. Sie beginnt mit Schiefern, quarzreichen vulkanischen Tuffen und Kalken aus dem Ordovizium. In den Kalken finden sich unter anderem Gehäuse von Orthoceren.

Aus dem späten Silur und Devon sind hunderte Meter dicke Kalkablagerungen erhalten; die Variszische Gebirgsbildung manifestiert sich durch eine Unterbrechung der Sedimentation im frühen Karbon. Nach dieser Umbruchszeit begann mit einer Meeresüberflutung im späten Karbon und Perm eine neue Schichtfolge. Im Perm entstanden dabei Kalke aus Gehäusen großer einzelliger Lebewesen (» Fusuliniden), die man aus dem Ostalpin nicht kennt.

Die Schichtfolge aus dem Mesozoikum ist auf österreichischer Seite am Gartnerkofel in den Karnischen Alpen und in südlichen Bereichen der Karawanken entwickelt. Sie reicht nur bis in die späte Trias. In den Karawanken, insbesondere aber in den angrenzenden Regionen Friauls, Sloweniens und in den Südtiroler Dolomiten ist die Verwandtschaft mit den Riffen und Lagunen der Trias der Nördlichen Kalkalpen unübersehbar, wenngleich die Schichtfolge des Südalpins auch gewisse Eigenheiten aufweist, wie beispielsweise das Vorherrschen der Namen gebenden Dolomitgesteine. Weiters finden sich in der mittleren Trias verbreitet Vulkanite, welche in den Ostalpen höchstens als dünne Tufflagen nachzuweisen sind.

Tektonisch wird das Südalpin vom Ostalpin durch die Periadriatische-Störung getrennt. Diese durchzieht die gesamte Alpenkette. Die österreichischen Teilstücke sind die Gailtal- und die Karawanken-Störung. An dieser Störung haben seitliche Verschiebungen im Ausmaß von mehreren Zehnerkilometern, vielleicht sogar von über hundert Kilometern stattgefunden.

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Österreichs geologische Entwicklungsgeschichte