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Älteste Gesteine und altes Gebirge

Das „Alte Europa“ im Vorland der Alpen

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Der Dobra-Gneis (NÖ) aus dem Moldanubikum des Waldviertels ist mit einem Alter von 1380 Millionen Jahren das älteste Gestein Österreichs. © Geologische Bundesanstalt
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Schollenmigmatit mit blauem Cordierit aus Höflein bei Ottenstein im Moldanubikum des Mühlviertels (OÖ) (Bildbreite: 25 cm). © Geologische Bundesanstalt
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Kalifeldspat-Kristall (4 cm) in einem spätpaläozoischen Granit nördlich von Zwettl (NÖ). © Geologische Bundesanstalt
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Der Kugelgranit von Groß Gerungs (NÖ) ist eine Rarität in den Graniten des Moldanubikums (Bildbreite: 18 cm). © Geologische Bundesanstalt
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Der Amethyst von Maissau, ein violett-weiß gebänderter Quarz, bildet Gänge im Granit des Moravikums (NÖ) (Bildbreite: 16 cm). © Geologische Bundesanstalt

Die Böhmische Masse setzt sich in Österreich aus den beiden tektonischen Bausteinen Moldanubikum und Moravikum zusammen. Diese sind durch Granite und hochgradig metamorphe Gesteine charakterisiert und lassen den östlichen Teil eines alten Gebirges erkennen. Entwickelt hat sich dieses Gebirge im Laufe der » Variszischen Gebirgsbildung im Karbon, vor 400 bis 300 Millionen Jahren. Es ist damit mehr als dreimal so alt wie die Alpen. Relativ rasch fiel das variszische Gebirge der Abtragung anheim, sodass heute seine tiefsten Teile freigelegt sind. Im Mesozoikum lagen Moldanubikum und Moravikum am Südrand des „Alten Europa“. Auf manchen Teilen wurden Sedimente abgelagert, während andere Teile Inseln bildeten. Anteile mit auflagernden Sedimenten sind nur mehr im Untergrund der Molassezone vorhanden.

Den weitaus größeren Bereich nimmt das Moldanubikum ein, das sich zwischen Moldau und Donau erstreckt. Das Moravikum stellt hingegen einen Randbereich dieses Gebirges dar, der vorwiegend in Mähren zu Tage tritt und von dem nur ein kleiner Teil ins östliche Waldviertel reicht.

Das Alter des sedimentären Ausgangsmaterials der metamorphen Gesteine liegt zwischen 900 und 450 Millionen Jahren. Diese an sich schon sehr alten Sedimentgesteine lagerten sich auf einem noch älteren Krustenstück ab, von dem ebenfalls Teile erhalten sind. Darin findet sich der Dobra-Gneis, der mit rund 1 380 Millionen Jahren das mit Abstand älteste Gestein Österreichs ist.

Im Zuge der Variszischen Gebirgsbildung entwickelte sich aus einer bunten Palette an sedimentären und magmatischen Gesteinen jene vielfältige Gesteinswelt, die uns in der Wachau und im Waldviertel begegnet und fasziniert. Bei sehr hohem Druck, wie er etwa 40 km unter der Erdoberfläche herrscht, und Temperaturen zwischen 700 und 800 °C kristallisierten Ton- und Sandstein zu Paragneis und Quarzit, Kalk zu Marmor, Basalt zu Amphibolit, und aus Graniten entstanden Orthogneise. Oft wurden diese Gesteine dabei teilweise aufgeschmolzen, wodurch sie auch magmatische Kennzeichen aufweisen und dann als Migmatite bezeichnet werden. Absolut außergewöhnlich sind die als Granulit bezeichneten, feinkörnigen, weißen Gesteine, wie sie beispielsweise südlich der Donau im Dunkelsteinerwald auftreten. In Österreich kommen Granulite ausschließlich im Moldanubikum vor. Sie waren einer Temperatur von rund 1000 °C ausgesetzt und stiegen aus einer Tiefe von etwa 55 km hoch. Gegen Ende der Variszischen Gebirgsbildung drangen große Mengen an granitischen Schmelzen ein. Diese Granitkörper nehmen heute weite Bereiche im westlichen Waldviertel und vor allem im Mühlviertel ein.
Die charakteristische Verwitterungsform der Granite, die Wollsackverwitterung, verleiht der Landschaft einen in sich ruhenden, archaisch anmutenden Aspekt. Gebildet haben sich diese Formen primär durch sehr tiefgründige Verwitterung unter subtropischen Klimabedingungen, wie sie in Mitteleuropa vor den Eiszeiten herrschten. Während der Eiszeiten wurde diese Verwitterungsdecke durch Bodenfließen weitgehend abgetragen, nur die weniger verwitterten Kerne der Granit-Kluftkörper blieben als rundliche Blöcke und bizarre Felsbauten übrig.

Vor allem die feinkörnigen Granite werden nach wie vor in zahlreichen Steinbrüchen, z.B. bei Perg (Oberösterreich) oder Gmünd (Niederösterreich), abgebaut und finden als Bau- und Dekorsteine vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, vom Pflasterstein bis zur Küchenplatte. Marmor wird häufig zur Verwendung als Dekorstein gebrochen; früher gab es auch Graphitgruben. Wirtschaftliche Bedeutung haben die Kaolin-Vorkommen, z.B. Schwertberg (Oberösterreich), die als Verwitterungsprodukt von Granit im feuchtwarmen Klima des Paläogens entstanden sind. Kaolin wird als Füllstoff bei der Papierherstellung sowie in der Keramik- und Farbenindustrie benötigt.

Viele der sagenumwobenen Felsformationen in Mühl- und Waldviertel sind Naturdenkmale und touristische Anziehungspunkte. Mit der Freilegung des Amethystganges bei Maissau wurde ein weiteres einzigartiges Naturjuwel zugänglich.

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