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Ozeanboden im Fichtenwald

Die Reste des verschollenen Tethys-Ozeans

Karte
Winzige Reste des Tethys-Ozeans liegen in Niederösterreich zwischen den Nördlichen Kalkalpen im Nordwesten und der Grauwackenzone im Südosten. © Geologische Bundesanstalt
Gestein
Dünnschliff eines Serpentinits bei gekreuzten Polarisatoren aus Unterhöflein (NÖ) als Beleg des einstigen Ozeans (mikroskopische Aufnahme; Größe 0,75 mm). © Geologische Bundesanstalt
Gestein
Gesteinsdünnschliff eines serpentinisiertem Pyroxens und Olivins aus einem Serpentinit bei Unterhöflein (NÖ) (mikroskopische Aufnahme; Größe 8 mm). © Geologische Bundesanstalt
Gestein
Rotbrauner, gebänderter Radiolarit mit Bruchstücken heller Kalke, ein Tiefwassersediment der mittleren Trias nahe Ternitz (NÖ) (Bildbreite: 17 cm). © Geologische Bundesanstalt
Mikrofossilien
Mit Flusssäure aus dem roten Radiolarit herausgelöste Radiolarien belegen das triassische Alter des Meliatikums (mikroskopische Aufnahme; Größe 0,3 - 0,7 mm). © Anna Ondrejičková

Steinerne Zeugen aus dem Tethys-Ozean finden sich in den Ostalpen nur als unspektakuläre Reste im Schneeberg-Gebiet in Niederösterreich.
Dort sind Sedimentgesteine und Serpentinite als wenige Meter bis einige hundert Meter große, tektonische Schuppen zwischen permischen und mesozoischen Sedimenten des Ostalpins vorhanden.
Weiter gegen Osten in den Karpaten sind diese Gesteine häufiger anzutreffen. Daher wurden sie nach der Ortschaft Meliata in der Slowakei als „Meliatikum“ bezeichnet. In den Dinariden und Helleniden bilden Decken aus dem Tethys-Ozean ganze Bergketten. Forschungsergebnisse aus diesen Gebirgen helfen die Bedeutung dieser Gesteine auch im Alpenraum besser zu verstehen.

Jener Teil des Tethys-Ozeans, aus dem das Meliatikum im Schneeberg-Gebiet stammt, öffnete sich in der Trias. Bereits im Jura setzte die Schließung ein und dabei wurden die Gesteine aus dem Bereich des Ozeans auf den Kontinentalrand von Adria geschoben.

Im Wald rund um die Florianikapelle nahe Ternitz (Niederösterreich) sind dunkle, kieselige Schiefer und Sandsteine des Jura anzutreffen. Darin befinden sich einzelne Schollen heller Flachwasserkalke aus der mittleren Trias, die von geringfügig jüngerem, rotem Radiolarit überdeckt werden. Radiolarit und kieselige Schiefer sind verfestigte Ablagerungen aus der Tiefsee, die einen hohen Gehalt an » Radiolarien aufweisen. Diese Planktonlebewesen bauen ihr Gehäuse aus Opal und ermöglichen auch eine genaue Alterseinstufung. Die am Florianikogel vorhandene Gesteinsassoziation wird folgendermaßen interpretiert: In der Trias brachen Schollen vom Schelfrand der Tethys ab und stürzten als Schuttströme in das tiefe Ozeanbecken. Dort wurden sie von Radiolarienschlamm überdeckt.

Während des Jura entstanden kieselige Schiefer, und alles zusammen wurde im Zuge der beginnenden Schließung des Tethys-Ozeans auf den Kontinentalrand geschoben. Von dem unter der ozeanischen Kruste liegenden Mantel zeugen einige tektonische Schuppen aus Serpentinit, die in der Nähe von Oberhöflein an der Hohen Wand (Niederösterreich) auftreten. Eine Hämatit-Vererzung durchtränkt im Schneidergraben westlich der Florianikapelle stellenweise die kieseligen Schiefer und die tektonisch auflagernden mesozoischen Schiefer und Karbonate des Ostalpins. Das Vorkommen ist seit alters her bekannt und wurde zuletzt noch Ende der 1950er-Jahre in heute verstürzten Stollen abgebaut.

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Österreichs geologische Entwicklungsgeschichte