PotGraf

Potenzialabschätzung ausgewählter Grafitvorkommen/-lagerstätten in der Böhmischen Masse
2021
Im Zuge des Projekts PlotGraf sollen Explorationsmethoden für Grafitvorkommen in der Böhmischen Masse weiterentwickelt werden und lagerstättengenetische Untersuchungen potenzielle Höffigkeitsgebiete eingrenzen. Unter Zugrundelegung von geophysikalischen Explorationsmethoden soll erstmals eine im internationalen Maßstab vergleichbaren Potenzialabschätzung gemäß der UNFC- Rahmen-Vorratsklassifikation durchgeführt werden. Ergänzend dazu sind geochemische Untersuchungen zur Charakterisierung von Explorationsmerkmalen in überlagernden Bodenschichten und im Nebengestein geplant.
Abbauetage im ehemaligen Grafitbergbau Zettlitz

Die verstärkte Suche nach kritischen Mineralrohstoffen hat in den letzten 10 Jahren auch zu einer Weiterentwicklung innovativer Prospektions- und Explorationstechnologien bei vielen dieser Rohstoffe geführt. Der mineralische Rohstoff Grafit wird aufgrund seiner hohen ökonomischen Bedeutung und des vorhandenen Versorgungsrisikos auch in der aktuell geltenden Studie der Europäischen Kommission (EUROPEAN COMMISSION, 2020) als kritischer Rohstoff eingestuft. Aufgrund der geologischen Rahmenbedingungen und des rohstoffwirtschaftlichen Kenntnisstandes bestehen in Österreich für Grafit im Bereich des variszischen Orogens (Böhmischen Masse) durchaus noch abbauwürdige Rohstoffpotenziale. Insbesondere im europäischen Vergleich wird das Erkundungspotential für Grafitlagerstätten in dieser geologischen Grosseinheit als sehr hoch eingeschätzt . Aus diesem Grund sind auch einige der bekannten Grafitlagerstätten im Österreichischen Rohstoffplan als sicherungswürdig bewertet worden. Im Fokus des geplanten Projektvorhabens sind zunächst die im Rohstoffplan als sicherungswürdig/bedingt sicherungswürdig ausgewiesenen Grafitvorkommen im Bereich des DrosendorfDeckensystems (Bunte Serie) in Niederösterreich, bei denen noch ein wirtschaftlich interessantes Lagerstättenpotenzial vermutet wird. Im Zuge des MRI-Projektes ExploGraf konnten anhand geophysikalischer Methoden ausgewählte Grafitvorkommen in Zettlitz und Weinberg in ihrer räumlichen Ausdehnung genauer eingegrenzt und charakterisiert werden. Da die meisten Vorkommen in oberflächennahen, stark verwitterten Bereichen weitgehend abgebaut sind, gilt das aktuelle Interesse der Potenzialabschätzung vor allem der Tiefenfortsetzung der Grafitlagerstätten. Da die Grafit-Lagerstätten hinsichtlich ihrer Tiefenfortsetzung bisher nicht untersucht wurden, fehlt daher auch eine valide Klassifizierung des noch vorhandenen Lagerstättenpotenzials. Daher sollen im eingereichten Projekt PotGraf folgende Punkte genauer Untersucht werden: (1) Die im MRI ExploGraf eingesetzten geophysikalischen Methoden zur Ermittlung des Lagerstättenpotenzials sollen nun bei weiteren Grafitvorkommen im Bereich der Moldanubischen Decken und des Bavarikums angewendet und weitergehend interpretiert werden. Dabei sind für eine entsprechend abgesicherte Interpretation der geophysikalischen Ergebnisparameter im Hinblick auf die Charakterisierung der Grafitvorkommen noch weiterführende Validierungen (geophysikalische Labormessungen, ergänzende geophysikalische Messprofile in abgebohrten Lagerstättenbereichen, Kalibrierung der Messergebnisse mit vorhandenen Bohrdaten) erforderlich. (2) Die Anwendbarkeit für Potenzialabschätzungen sowie Informationen zu Bildungsparametern wie Druck-Temperatur-Bedingungen soll durch eine geologische Detailkartierung der Lagerstätten sowie durch weitere geochemische Analysen (XRD, REM, RFA, ICP-MS und EMS) untersucht und gestützt werden. (3) Auf Basis dieser neuen raumbezogenen Informationen über die untersuchten Grafitlagerstätten soll eine neue Klassifizierung der Lagerstättenvorräte vorgenommen werden, die sich an die UNFC-Vorratsklassifikation orientiert. Damit wird eine erhebliche Verbesserung in der Vergleichbarkeit mit internationalen Vorratsangaben erwartet. (4) Zudem sollen aufgrund der Geländebeobachtungen sowie der geochemischen und geophysikalischen Ergebnisse Rückschlüsse auf die Genese der Lagerstätten gezogen werden. Ziel dabei ist die Ableitung ergänzender Prospektions-/Explorationsparameter für die Suche und Bewertung von Grafitvorkommen im variszischen Orogen. (5) Da in einigen der Lagerstätten auch das Auftreten von Trägerphasen anderer kritischer Rohstoffe (z.B. SEE, V) bekannt ist, sollen flankierend zur Untersuchung der Grafite auch ergänzende mikrochemische Untersuchungen dieser begleitenden Trägerphasen als Begleitrohstoffe für integrierte Nutzungskonzepte durchgeführt werden (6) Je nach Ergebnislage könnte ein Vergleich der Grafit-Vorkommen des DrosendorfDeckensystems mit den grobkörnigen („flake“) Grafitvorkommen aus dem Bavarikum verglichen werden. Der Flocken-Grafit dient als Ausgangsmaterial für die Anodenproduktion für Lithium Ionen Batterien und daher kommt diesem eine besondere Bedeutung zu. Hierfür könnten erste lagerstättengenetische Untersuchungen an diesen bisher als nicht sicherungswürdig eingestuften Vorkommen vorgenommen werden um die geologischen Rahmenbedingungen einzugrenzen. Dies könnte die Grundlage für ein Nachfolgeprojekt bieten, bei welcher man aufgrund der im Laufe des Projektes PotGraf entwickelten geochemischen und geophysikalischen Methodik eine Re-Evaluierung der Höffigkeit der Grafit-Vorkommen des Bavarikums durchführen kann.

Das Projekt wird in Kooperation mit Prof. Adrian Flores-Orosco von der TU Wien durchgeführt.

Projektfacts
ProjekttitelPotenzialabschätzung ausgewählter Grafitvorkommen/-lagerstätten in der Böhmischen Masse
ProjektkürzelPotGraf
ProjektkurztitelPotenzialabschätzung ausgewählter Grafitvorkommen/-lagerstätten in der Böhmischen Masse
ProjektleitungMSc. Tanja Knoll, Mag. Alexander Römer
ProjektmitgliederMag. Gerhard Bieber, Martin Heidovitsch, DDipl.Ing. Christian Benold, Mag. Piotr Lipiarski, BSc. Gerald Schuberth-Hlavac, Dr. Manfred Linner, Ing. Christian Auer
FachabteilungGeochemie, Geophysik, Kristallingeologie, Rohstoffgeologie
Zeitraum04.01.21 - 31.12.24
FinanzierungVollzug des Lagerstättengesetzes