Rutschungsgebiet Gschliefgraben

 

Der Gschliefgraben südostlich von Gmunden ist ein seit Jahrhunderten wohlbekanntes Rutschungsgebiet, das auf jeder geologischen Karte eingezeichnet ist. Schon der Name „Gschlief“, abgeleitet vom Dialektwort „schliafn“ (schliefen), deutet auf instabiles, kriechendes Gelände hin, das in unregelmäßigen Abständen immer wieder in stärkere Bewegung gerät, aber nie ganz zur Ruhe kommt. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier: Aus den Archiven der Geologischen Bundesanstalt

 

Luftbild des Gschliefgrabens mit Abrisskanten von Massenbewegungen (Archiv der Fachabteilung Ingenieurgeologie)

Luftbild des Gschliefgrabens mit Abrisskanten von Massenbewegungen

 

Diese großräumige Massenbewegung, in deren Ausgangsbereich die lokale Bezeichnung „Reissete Schütt“ (langsam sich öffnende Zerrspalten als Ausdruck jüngster Gebirgsbildungs-Aktivität führen zu erhöhter Erosion und Bereitstellung von Schuttmassen) ebenfalls für sich spricht, entwickelte sich nach der letzten Eiszeit mit dem Abschmelzen des Gletschers in der „Farngrube“. Der Graben liegt in einer geologischen Zone, die in Fachkreisen als „Buntmergelserie“ oder „Ultrahelvetikum“ bekannt ist und aus sehr weichen, bewegungsfreudigen Gesteinen besteht, die unter Wasserzufuhr (stärkere Regenfälle!) noch plastischer werden. Diese Gesteine setzen sich nach Süden unter den starren Kalkblock des Traunsteins fort, dessen Gewicht allein schon zu einem andauernden „Herausquellen“ der weichen Mergel und Schiefer, die zwischen den härteren Sandsteinen der Flyschzone nördlich des Grabens und den Kalken südlich davon eingeklemmt sind, führt. Messbare, ruckartige, immer wiederkehrende Erschütterungen begleiten diese Vorgänge.

 

3D-Ansicht von Grünberg, Gschliefgraben, Traunsee und Traunstein in Google Earth

 

Mit dem allgegenwärtigen Klimawandel hat dieser Prozess nichts zu tun, es ist auch kein Permafrost aufgetaut und lässt Hänge ins Rutschen geraten. Das labile System Gschliefgraben reagiert schon seit Jahrtausenden auf durch Erosion zunehmende Schuttmassen im oberen Teil des Grabens, auf den Druck der überlagernden Kalkalpenberge und auf Starkniederschläge, die das „Schmiermittel“ bereitstellen. Die langsam (und manchmal auch ziemlich rasch) talwärts fließenden Schlamm- und Geröllmassen verbreitern sich nach dem Verlassen des engen Grabens, weichen auch seitlich aus und bauen in den Traunsee hinein einen Schuttkegel vor. Da diese Bewegung auch beim derzeitigen Ereignis nicht ruckartig, sondern kontinuierlich erfolgt, ist die Furcht vor einem katastrophenartigen Tsunami unbegründet. Allerdings kann die Vergrößerung des Schuttkegels in ferner Zukunft dazu führen, dass der nördliche Teil des Traunsees von seinem Südteil abgeschnitten wird.

Dass die letzte größere Bewegung der Schuttmassen schon bald hundert Jahre zurückliegt, hat vor der Erarbeitung verbindlicher Gefahrenzonenpläne zur Besiedlung der Randbereiche des Schuttkegels geführt – und diese Häuser sind es, die jetzt gefährdet sind.

 

Webapplikation Massenbewegungen Weitere Informationen zu Massenbewegungen in Österreich

 

 

Detaillierte Informationen zum Gschliefgraben finden sich auf den Geologischen Kartenblättern „66 Gmunden“ und „67 Grünau im Almtal“ und in den zugehörigen Erläuterungen, die im Verlag der Geologischen Bundesanstalt erhältlich sind.

 

Ausschnitt aus den geologischen Karten 66 Gmunden und 67 Grünau im Almtal

Ausschnitt aus den geologischen Karten 66 Gmunden und 67 Grünau im Almtal, mit dazugehörigen Legendenfeldern

 

Kontakt: Dr. Arben Kociu

 

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