Der Spargel — Geologische Annäherungen an das Marchfeld
Umrahmt von Donau, March und den sanft ansteigenden
Hügeln des
Weinviertels liegt das Marchfeld vor den Toren
Wiens. Weitgehend unbekannt ist die bunte Geschichte der weiten Ebene:
Napoleon
war höchstpersönlich hier, auch die erste Eisenbahn dampfte
1837 von Floridsdorf nach Deutsch Wagram und an Maria Theresia denken
nur mehr wenige Besucher in Schloßhof. Geschweige denn ein Blick
weiter zurück: Wer weiß schon, dass einst die Bernsteinstraße
dem Flusslauf der March folgend von der Ostsee nach Süden
ging?
Blickt man ein wenig in die geologische Geschichte
des Marchfeldes zurück,
so müsste man das rund 1000 Quadratkilometer große Gebiet richtigerweise
wohl "Donaufeld" nennen. Denn es war die Donau bzw. deren Vorläufer,
die das Wiener Becken, in dessen Mitte das Marchfeld liegt, im Laufe
der Jahrmillionen Schritt für Schritt förmlich zugefüllt
hat. Den Schlussstrich unter die Entstehungsgeschichte setzten
die Eiszeiten. Im Wechselspiel zwischen Kalt- und Warmzeiten wurden die
heute
obersten
Schichten von der Donau aufgeschüttet und dann gleich wieder — zumindest
teilweise — abgetragen. Erst mit der Entstehung der Böden am Ende
dieser Entwicklung wurde der Grundstock für die Landwirtschaft gelegt.
Doch zurück zum Ursprung! Vor rund 20 Millionen Jahren senkte sich zwischen den Alpen und Karpaten das Gebiet des Wiener Beckens langsam ab. Zerrung und Dehnung halfen mit, das flache Meer der Parathetys überflutete das Gebiet für die nächsten Millionen Jahre. Die letzten kärglichen Reste dieses Meeres, das sich einst im Norden der sich formierenden Alpenfront quer durch Europa bis Asien zog, sind die Kaspisee und das Schwarze Meer. Vor 15 Millionen Jahren, dem Höhepunkt an Lebensvielfalt, lebten sogar Korallen und Haifische in den Gefilden, wo heute die Ebenen des Wiener Beckens liegen. Gleich nach diesem Höhepunkt tropischer Lebensfreude in unseren Breiten wurde das Meer zunehmend salziger und flacher. Aus war es mit der artenreichen Vielfalt, es folgten wenige Spezialisten im Tierreich, diese aber gleich in ungeheurer Menge. Ein Donauvorläufer floss vor 10 Millionen Jahren vom Waldviertel über Hollabrunn und Mistelbach in das Wiener Becken. Unzählige Schottergruben im Zayatal weisen heute noch den Weg der damaligen Donau nach Osten. Was blieb, sind die damals tiefer liegenden Schotterablagerungen, die der Zeit trotzen konnten und als Hügelkette dem Weinviertel heute seinen speziellen Reiz verleihen. Langsam aber stetig verlegte die Donau ihren Lauf nach Süden. Den entscheidenden Einschnitt zwischen Kahlenberg und Bisamberg ("Wiener Pforte") schaffte die Donau erst vor rund 350.000 Jahren. Hier halfen allerdings auch der Kierling- und der Weidlingbach mit — so nehmen die Forscher zumindest heute an.
.... über die Eiszeiten, zum fruchtbaren Boden für Spargel
Letztendlich entscheidend waren die Eiszeiten. Vor rund 2,5 Millionen Jahren kam es zur letzten großen ergeschichtlichen Epoche: Riesige Eismassen bedeckten die Alpen, Gletscherzungen drangen weit vor, Flüsse transportierten gewaltige Geröllmassen, Wind lagerte feinen Staub (Löss) auf eisfreien Tundrenflächen im weiteren Vorfeld der Gletscher ab. Auch wenn das Marchfeld nie vom Eis bedeckt war, so bekam es doch einiges ab, im wahrsten Sinn des Wortes. Dankbar sind die Bauern vor allem für das, was sich nach den Eiszeiten bildete, den Boden.
Doch der Reihe nach: Im Marchfeld hat die Donau während der beiden letzten Eiszeiten zwei Terrassen hinterlassen. Die südlichen Bereiche des Marchfeldes sind ein Teil der Praterterrasse. Mit einer Sprunghöhe von rund acht Metern, dem "Kleinen Wagram", ist diese von der nördlich anschließenden, höher gelegenen, Gänserdorfer Terrasse abgesetzt.
Auf der Praterterrasse sind über den von der Donau geschütteten Schottern — wobei noch die Reste von den zahlreichen ehemaligen Mäandern als deutlich ausgeprägtes Mikrorelief zu erkennen sind — feinkörnige Ablagerungen (schluffig-sandig in der Fachterminologie) als bodenbildendes Material vorhanden. Hauptsächlich durch den Einfluss des Klimas haben sich aus diesem Ausgangsmaterial im Laufe von Jahrhunderten Böden entwickelt, die man in die Gruppe der Tschernoseme (Steppenschwarzerden) stellen kann. So entstanden aus den schluffig-sandigen Ablagerungen der Praterterrasse leichte Tschernoseme; aus Lössen, die nur auf der Gänserndorfer Terrasse großflächig auftreten, die günstigeren und tiefgründigeren Tschernoseme. Im zentralen Bereich der Gänserndorfer Terrasse kommen auf großen Gebieten Paratschernoseme vor, das sind Areale, die aus dem "Älteren Flugsand" hervorgegangen sind. Diese Böden sind wegen ihrer leichten Bodenart, der geringeren Wasserspeicherkapazität und Seichtgründigkeit bei weitem nicht so fruchtbar wie Tschernosme. Der Vollständigkeit halber sei im Nahbereich zur Donau auf der Praterterrasse noch der "Auboden" erwähnt, das sind Gebiete, die seit der Donauregulierung im ausgehenden 19. Jahrhundert endgültig trocken fielen.
Optimaler Boden für den Spargel: tiefgründige
Tschernoseme,
Botaniker bezeichnen den Spargel mit dem wissenschaftlichen Namen Asparagus officinalis L. als Staude und stellen ihn mit Zwiebel, Knoblauch, Porree und Schnittlauch zur Familie der Liliaceae, der Liliengewächse. Aber für seine Verwandten kann man nichts, es kommt drauf an, was man daraus macht. So ließen sich die Menschen beim Spargel allerhand einfallen. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen, die das männliche und das weibliche Geschlecht in einer Blüte besitzen, gibt es beim Spargel männliche und weibliche Pflanzen, nur letztere bilden nach der Befruchtung Samen aus. Da aber die Samenbildung der Pflanze Substanz kostet, war man bestrebt, nur männliche Pflanzen anzubauen, was nach langen Bemühungen auch gelang. Noch ein Wort zu Grünspargel: Traditioneller Weise isst man bei Spargel die weißen Sprossen (=Bleichspargel), die unter der Erde sind und gestochen werden. Erreichen die Sprossen das Tageslicht, werden sie durch das Chlorophyll grün gefärbt und kommen als Grünspargel auf den Markt. Generell kann jede Spargelpflanze sowohl als Bleich- als auch als Grünspargel gezogen werden. Allerdings gibt es auch schon Sorten, die sich für die eine oder andere Ziehungsart besser eignen.
Von Sorten und Erträgen bis zum Nährwert
Bei einer Betrachtung der bei uns wichtigsten Sorten muss einmal der Schwetzinger Meisterschuss als Klassiker genannt werden, diese Sorte bildete noch männliche und weibliche Pflanzen aus, die man als Jungpflanzen nicht unterscheiden kann. Bei den heute weit verbreiteten Sorten Gijnlim, Backlim und Thielim werden nur mehr männliche Pflanzen "gesetzt", so der Fachausdruck. Schon der Name verrät, dass die Pflanzen alle aus Holland kommen. Spargelzuchtanstalten gibt es bei uns keine, alle Pflanzen werden importiert.
Gijnlim: Diese Sorte wird sehr früh gestochen,
sie gilt als ertragreich und verlässlich, selbst in kühlen
Jahren sind Spitzenerträge
sicher. Sie ist bestens geeignet für den Anbau unter Folien, und
bildet schöne Stangen mittlerer Stärke aus.
Folienbedeckte Felder garantieren Lichtschutz
und somit
Auch beim Ertrag gibt es langjährige Richtwerte und "Faustregeln". Je nach Sorte können pro Hektar etwa 5.000 Kilogramm im Jahr geerntet werden. Die erste Ernte erfolgt aber erst im dritten Jahr nach dem Setzen. Kann man bei jungen Kulturen vermehrt dickere Stangen (Klasse I) ernten, überwiegt bei älteren Kulturen die Klasse II (viele dünne Stangen). Wurden früher Kulturen bis zu 20 Jahre gepflegt, sind es heute meist weniger als zehn. Pro Hektar werden im Schnitt um die 13.000 Pflanzen gesetzt. Auch hier gilt die Richtlinie: Je dichter die Pflanzen, desto höher ist zwar der Ertrag, aber gleichzeitig geht das Gewicht der einzelnen Stangen zurück, sprich: die Qualität leidet.
Was hat nun der Spargel, was andere Pflanzen nicht haben? Die Analyse von 100 Gramm Spargel ergibt im Schnitt 92,9% Wasser, 4,1 Gramm Kohlenhydrate, 2,1 Gramm Proteine (=Eiweiß), 0,2 Gramm Fett und 0,7 Gramm Mineralstoffe. Ernährungsphysiologisch ist Spargel vor allem wegen seiner harntreibenden Wirkung wichtig, was sich bei Nieren- und Harnwegserkrankungen positiv auswirkt. Der Geschmack wird vom Säure-Zucker-Verhältnis bestimmt. Bedeutend sind Zitronen- und Apfelsäure. |
Thomas Hofmann |
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