EWIGER FELS? Alles fließt! (Heraklit)

   
  Die gegenwärtige, plattentektonische Gliederung der Erdkruste (nach CONDIE, 1976, verändert).  
     

Das Erscheinungsbild unseres "Blauen Planeten"  wird geprägt durch die weltumspannenden Meeresflächen, aus denen die kontinentalen Festlandsmassen gleich riesigen Inseln herausragen. Dieser Zweiteilung der Erdoberfläche liegt auch eine grundsätzliche Zweiteilung der Erdkruste zugrunde. Zum einen finden wir eine etwa 30-60 km dicke Kruste aus hauptsächlich kieselsäurereichen, "granitischen" Gesteinen, welche die Kontinente und die flachen Schelfmeergebiete an deren Rändern charakterisiert, zum anderen eine nur etwa 6 km dicke Kruste aus kieselsäurearmen, "basaltischen" Gesteinen, welche den Boden der Ozeane aufbaut. Diese beiden Krustentypen bilden gemeinsam mit den darunter liegenden Gesteinen des oberen Erdmantels die sogenannten "tektonischen Platten". Ein kompliziertes Mosaik solcher Platten bildet die mehr oder minder feste Außenhaut unserer Erde.

Langsame Konvektionsströme zwischen heißem Erdinneren und kühleren Außenzonen halten die auflagernden Platten in Bewegung. An Spalten aufdringende basaltische Schmelzen erstarren zu neuer ozeanischer Kruste und treiben so die Platten auseinander (Mittelozeanische Rücken). Die Platten können sich aber auch seitlich aneinander vorbeibewegen, wie beispielweise an der für ihre Erdbeben berüchtigten San Andreas-Störung in Kalifornien (sogenannte  Transformstörungen"). Bewegen sich Platten aufeinander zu, so ist das Resultat vom Krustentyp der beteiligten Platten abhängig. Eine Platte aus ozeanischer Kruste taucht unter Ausbildung eines Tiefseegrabens unter eine andere Platte bis zu 700 km tief in den Erdmantel ab (sie heißt daher Unterplatte), wo sie wieder aufgeschmolzen wird. Dieser Vorgang wird als Subduktion bezeichnet.  Besteht die Oberplatte ebenfalls aus ozeanischer Kruste, bilden sich vulkanische Inselketten, wie z.B. Japan oder Indonesien. Im Falle der Kollision mit einer kontinentalen Oberplatte können sich von Vulkanen (Vulkanismus) und magmatischen Tiefengesteinen (Plutonismus)  durchsetzte Gebirge auffalten, wie etwa die Anden oder die Nordamerikanischen Kordilleren. Treffen hingegen zwei kontinentale Krustenplatten aufeinander, kann aufgrund ihres relativ geringen spezifischen Gewichtes keine der beiden Platten tief in den Erdmantel abtauchen, sondern es entstehen kompliziert gebaute Gebirge wie die Alpen oder der Himalaya. Auf der kontinentalen Kruste im Randbereich von jung aufgefalteten Gebirgen entstehen durch die Auflast des Gebirgskörpers typischerweise Absenkungsbereiche, sogenannte Vorlandbecken, die den Abtragungsschutt des aufsteigenden Gebirges aufnehmen.

Die Plattenbewegungen können heute mit Hilfe von Satelliten gemessen werden und liegen im Größenbereich von einigen Zentimetern pro Jahr; Spitzenreiter ist derzeit die Nazca-Platte, westlich von Mittelamerika, mit Bewegungen von 10-15 cm pro Jahr.

 
 

Die kontinentale Kruste wuchs im Laufe der Erdgeschichte durch das wiederholte Anschweißen jüngerer Gebirge an ältere Kernbereiche. In den Kernen finden sich bis zu 3,8 Milliarden Jahre alte Gesteine aus der Frühzeit der Erde. Die ozeanische Kruste hingegen unterliegt einem globalen "Recycling"  -  von der Neubildung an ozeanischen Rücken bis zum Absinken und Aufschmelzen in Subduktionszonen  - sodass wir heute keine Ozeanböden kennen, die älter als etwa 200 Millionen Jahre sind. Die einzigen Zeugen älterer Ozeanböden finden wir in Form von metamorph umgewandelten Relikten (z.B. Eklogite, Serpentinite, Amphibolite), die in die Gebirge der Erde eingebaut sind.

Unser so "felsenfest" erscheinender Untergrund ist also ständigen, wenn auch langsamen, Bewegungen unterworfen, die im Laufe der Jahrmillionen die Erdoberfläche völlig umgestaltet haben und auch in Zukunft weiter verändern werden.

 
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